Zwar sind die Vorteile und der Wert einer Kinderkrippe für ein Kind im Idealfall nicht von der Hand zu weisen, doch in der Realität sieht es leider so aus, dass nur wenige Kinderkrippen tatsächlich qualitativ so hochwertig sind, dass sie den Bedürfnissen der Kleinkinder gerecht werden können: Die Studie „Nationale Untersuchung zu Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit“ untersuchte hunderte von Kinderkrippen und stellte dabei fest, dass 80% der Einrichtungen nur eine mittelmäßige Qualität aufweisen konnten, mehr als 10% als schlecht bewertet werden mussten, während nicht einmal jede zehnte Kinderkrippe gut oder sehr gut war. Die Ursachen für die Missstände sind vielfältig.

Zeitmangel in der Kinderkrippe: Keine Zeit für die emotionale Komponente

Eine ideale Ver- und Umsorgung aller Kinder ist dann gewährleistet, wenn eine Erzieherin für drei, maximal vier Kinder verantwortlich ist. Leider ist dies in vielen Kinderkrippen nicht gewährleistet, und auch gesetzlich ist die Anzahl höher: Eine Erzieherin darf sich laut Gesetz um nicht mehr als sieben Kinder kümmern. In einigen Fällen wird nicht einmal diese Zahl eingehalten und teilweise ist eine Pflegekraft für zehn oder mehr Kinder zuständig. Solche Situationen treten auch schnell auf, wenn eine oder mehrere Erzieherinnen krank sind, da Ersatzkräfte selten zur Verfügung stehen.

Das führt zu Zeitmangel und einer daraus resultierenden Vernachlässigung der emotionalen Bedürfnisse der Kinder. Erzieherinnen berichten, dass auf die Hygiene, auf die Verpflegung der Kinder und auf die Haushaltsführung in der Kinderkrippe ein so großer Zeitaufwand nötig ist, dass für das Spielen, Erziehen und gemeinsame Lernen kaum noch Zeit bleibt. Erzieherinnen befinden sich im Dauerstress, während Kinder emotional vernachlässigt werden.

Überarbeiteter und schlecht bezahlter Sündenbock: Die schwierigen Arbeitsbedingungen der Erzieherinnen

Erzieherinnen berichten immer wieder, dass ihre Arbeit im Prinzip sehr schön ist. In der Regel werden auch nur solche Menschen eine solche berufliche Laufbahn einschlagen, die Kinder tatsächlich lieben. Allerdings sind die Arbeitsbedingungen oft härter, als sich Arbeitstätige aus anderen Branchen vorstellen können.

Durch das ständige Heben der Kinder und eine oft gebückte und kriechende Körperhaltung tragen viele Erzieherinnen auf Dauer physische Schäden davon, Stress und kranke Kinder führen häufig zu Erkrankungen, und auch eine dadurch entstehende Personalverknappung ist meistens problematisch, da sich dann zu viele Kinder unter der Obhut von zu wenigen Erzieherinnen befinden, die Betreuerinnen sind überlastet, während die Kinder trotz größter Mühe vernachlässigt werden. Die Arbeitszeiten sind oft sehr lang, eine Erzieherin befindet sich häufig die gesamte Öffnungszeit sowie darüber hinaus in der Einrichtung, und auch freie Tage und Urlaub sind in diesem Berufsfeld problematisch, da im Idealfall die Bezugserzieherin eines Kindes immer da sein sollte, wenn das Kind in der Krippe ist.

Manche Erzieherinnen klagen auch darüber, dass sie für ihren harten und verantwortungsvollen Beruf keine Anerkennung erhalten. Andere hingegen fühlen sich zwar aufgrund ihrer Leistungen respektiert, was nichts daran ändert, dass das Gehalt einer Erzieherin generell niedrig ist.

Oft gibt es auch Konflikte zwischen Erzieherin und Eltern, da die Pädagogen das Gefühl haben, Eltern würden die Verantwortung für ihre Kinder und den gesamten Erziehungsvorgang in ihre Hände geben und ein fertig erzogenes Kind abholen wollen. Erzieherinnen kritisieren, dass viele Eltern die angefangenen Erziehungsmaßnahmen nicht fortführen, was letztendlich die Fortschritte in einer Kinderkrippe zunichtemacht.

Auch die Ausbildung zur Erzieherin soll defizitär sein und insbesondere was methodisch-didaktische Fähigkeiten, die beim Erzieherberuf mit das wichtigste sind, angeht, fühlen sich die Erzieher oft schlecht auf die Arbeit mit Kindern vorbereitet.

Was macht eine gute Kinderkrippe aus?

Eine gute Kinderkrippe sollte also wenig Kinder und viele Erzieherinnen haben, die Zeit haben, sich um die individuellen, emotionalen Bedürfnisse der Kinder zu kümmern, sich ihnen zuwenden und ihnen einen entspannten, doch aufregenden Alltag bieten können. Dies, so viele Erzieherinnen, sei für Kleinkinder viel wichtiger als spezielle Lern- oder Förderprogramme, die in manchen Fällen zu viel Konzentration von den Kindern abverlangen und sie überfordern.

Ein Indiz für gute Qualität sind häufig Konzepte: Orientieren sich Kinderkrippen an bestimmten Konzepten, die sie auch, etwa auf ihren Webseiten, zum Nachlesen freigeben, so können Eltern davon ausgehen, dass die Einrichtung hochwertig ist und diese Konzepte auch in der Praxis umsetzt.

Aufenthalt in Kinderkrippen: Entfremdung von den Eltern oder Förderung des Sozialverhaltens?

Auch wenn von optimalen Bedingungen ausgegangen wird, sind sich Eltern oft unsicher, ob sie ihre Kleinkinder in fremde Obhut geben sollen. Sie fürchten, dass sich die Zeit, die das Kind mit seinen Erzieherinnen verbringt, negativ auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirken könnte und dass das Kind Entwicklungsschäden davontragen könnte. Andererseits argumentieren Befürworter damit, dass Kinder ihr Empathie Empfinden nirgendwo so ausbauen können und ihnen soziale Interaktion nirgendwo so effektiv beigebracht werden kann wie in einer Kinderkrippe.

Konkrete Aussagen zu diesem Thema zu machen ist eigentlich unmöglich. Zu sehr unterscheidet sich jedes Kind von seinen Altersgenossen, zu unterschiedlich sind auch die Lebensumstände und oft wird bei hitzigen Kinderkrippen-Debatten auch vergessen, dass Familien manchmal überhaupt keine Wahl haben.

Viele Erziehungswissenschaftler geben Entwarnung und versichern, dass die stärkste Bindung noch immer innerhalb der Familie besteht und dass regelmäßige Aufenthalte in Kinderkrippen keine negativen Auswirkungen auf diese haben, solange Eltern nach dem Krippenaufenthalt ihrer Kinder genug Zeit und Zuneigung für ihre Kinder aufbringen und ihnen helfen, den aufregenden Krippenalltag zu verarbeiten. Sie betonen, dass Kinder zuhause Sozialverhalten nie in dem Maße lernen könnten, wie sie es in Kinderkrippen tun, da der Umgang mit fremden Kindern ganz anders ist als der mit den vertrauten Menschen innerhalb einer Familie.

Andere Stimmen jedoch sprechen von einer gesellschaftsbedingten Leugnung des Trennungsschmerzes, empfinden es etwa keineswegs als positiv, dass Kinder in Krippen lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren und ihr Verhalten den anderen Kindern anzupassen und beharren auf der Meinung, dass solche Trennungen sich gesamtgesellschaftlich sehr wohl auf die Eltern-Kind-Beziehung und die Psyche auswirken, etwa dann, wenn Menschen im Erwachsenenalter Trennungsängste oder ein distanziertes Verhältnis zu ihren Eltern haben. Gelegentlich verweisen Gegner von Kinderkrippen auch auf die Traditionen anderer Kulturen, wo eine Trennung in den ersten Lebensjahren nicht denkbar ist und wo jedoch psychische Krankheiten weniger weit verbreitet sein sollen.

Welchen Standpunkt die einzelnen Elternpaare in dieser Debatte einnehmen, darüber müssen sie sich selbst Gedanken machen, eine endgültige Wahrheit gibt es nicht. In dieser Debatte wird ganz generell meistens auch ignoriert, dass viele Eltern keine andere Wahl haben, als ihre Kinder zeitweise in Betreuungseinrichtungen abzugeben. Nicht immer bekommen sie staatliche Unterstützung, manchmal reicht das Einkommen eines Elternteils nicht aus und auch potenzielle Unterstützer, etwa Schwiegereltern, haben nicht die finanziellen Mittel, um der Familie unter die Arme zu greifen. Zudem drohen viele Mütter, ihre Arbeitsstelle nicht wieder aufnehmen zu dürfen, wenn sie zu lange fern bleiben. Hier müssten also, bevor am Prinzip der Kinderkrippen Kritik geübt wird, große, gesamtgesellschaftliche Änderungen ins Rollen gebracht werden.

Was jedoch sicher gesagt werden kann, ist, dass Kinderkrippen für die soziale Entwicklung von Kindern kein Muss sind, da sie sich spätestens mit drei Jahren an den Umgang mit anderen Kindern gewöhnen müssen und dass sich die Zeit, die ein Kind in der Kinderkrippe verbringt, in Grenzen halten sollte. Ein ein- bis dreijähriges Kind wird sich nicht wohl fühlen, wenn es montags bis freitags von früh bis spät in der Kinderkrippe bleiben muss. Das sollte jedoch, da ein Kind auch nicht den ganzen Tag im Kindergarten bleibt und auch Ganztagsschulen nach wie vor sehr umstritten und in Deutschland nicht weit verbreitet sind, selbstverständlich sein.

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