Je mehr Frauen sich dafür entscheiden, einen Weg einzuschlagen, der ihnen sowohl einen Beruf als auch eine Familie ermöglicht, umso mehr scheiden sich die Geister an Einrichtungen wie Kinderkrippen, in denen Kleinkinder von 3 Monaten bis 3 Jahren betreut werden.

Einige Politiker forderten lange Zeit einen generellen Anspruch eines jeden Kindes auf einen Kinderkrippen-Platz: Das von der Ministerin für Arbeit und Soziales, Ursula von der Leyen, initiierte Kinderförderungsgesetz tritt demnächst tatsächlich in Kraft: Ab dem 30. Juli 2013 hat jedes Kind zwischen einem und drei Jahren einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kinderkrippenplatz. Der Gedanke dahinter ist, Menschen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen: Eltern sollten arbeiten gehen können, während sie ihr Kind sicher betreut in einer Kinderkrippe wissen sollen.

Dabei kommen jedoch Fragen auf wie jene, ob ein Kind so früh schon fremdbetreut werden soll, ob Kinderbetreuung nicht nur deswegen so gehypt wird, weil Frauen dadurch kurz nach der Geburt ihres Kindes wieder voll ihrem Arbeitgeber zur Verfügung stehen können und ob Kinderkrippen überhaupt gut genug dafür sind, eine würdige Ergänzung für das Familienleben zu sein.

Kinderkrippe ja oder nein – Die vieldiskutierte Frage aus der Perspektive von Wissenschaftlern

Das Thema ist längst so relevant, dass auch Wissenschaftler und Erziehungsexperten sich intensiv mit den Fragen auseinandersetzen, ob Kinderbetreuung in Krippen Kindern nützen, schaden oder überhaupt irgendwelche Auswirkungen auf ihre Entwicklung haben.

Eine sehr bekannte langjährige Untersuchung ist die des National Institute of Child Health and Human Development (NICHD), die seit 1991 Kinder von der Geburt bis zum Ende der sechsten Schulklasse begleitet. Bisher konnte diese Untersuchung Ergebnisse verzeichnen, die zeigen, dass es weniger darauf ankommt, ob Kinder fremdbetreut werden, sondern viel mehr darauf, welche Qualität die Kinderkrippen oder andere Formen von Fremdbetreuung haben. Beispielsweise konnte festgestellt werden, dass Kinder, die im Kleinkindalter in einer hochwertigen Kinderkrippe waren, später ein besseres Gedächtnis haben und bessere Leistungen im Lesen und in Mathematik erbringen. Ebenso können qualitativ minderwertige Kinderkrippen sich negativ auf das Sozialverhalten und auf die Arbeitshaltung von Kindern auswirken und ihr Aggressionspotenzial fördern. Auch die Dauer der Fremdbetreuung ist entscheidend: Ist ein Kind nur einige Stunden pro Woche in einer hochwertigen Kinderkrippe oder bei einer guten Tagesmutter, so hat dies meistens keine schlechten Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Beziehung. Sind es jedoch viele Stunden, die ein Kind fremdbetreut wird, und das auch noch in einer schlechten oder mittelmäßigen Kinderkrippe, so kann dies im Teenageralter auch vermehrt zu Konflikten mit den Eltern, mit Lehrern und mit anderen Teenagern führen.

Diese Ergebnisse können laut vielen Erziehungsexperten jedoch 1:1 auf die Erziehung durch die Eltern übertragen werden: Kinder, in von ihren Eltern gefördert werden, die viel Aufmerksamkeit bekommen und viel von ihren Eltern lernen, sind später leistungsfähiger als Kinder von passiven Eltern, die sich nicht genug dafür einsetzen, dass ihre Kinder etwas lernen und durch interessante Aktivitäten gefördert werden. Ebenso verhält es sich mit dem Konflikt- und Aggressionspotenzial: Eine liebevolle Erziehung hat sicherlich bessere Auswirkungen auf die Persönlichkeit als eine gleichgültige Erziehung, bei der die Eltern überfordert sind und dem Kind wenig Zeit widmen.

Letztendlich kommen Wissenschaftler immer wieder zu demselben Schluss: Zwar kann Kinderbetreuung in Krippen Einflüsse auf die Entwicklung von Kindern haben, seien diese positiver oder negativer Natur, aber für Unterschiede in der kindlichen Entwicklung sind die Verhältnisse innerhalb der Familien deutlich bedeutender als das Vorhandensein einer Fremdbetreuung.

Wissenschaftler betonen auch, dass es nicht zu vernachlässigen ist, dass Kinder, insbesondere Einzelkinder, in Kinderkrippen soziale Erfahrungen sammeln können, die sie so zuhause mit ihren Eltern oft nicht sammeln können. Es sei denn es existiert ein breiter Verwandten- und Freundeskreis mit vielen Kleinkindern, die immer wieder gemeinsam Zeit verbringen oder die Eltern besuchen gemeinsam mit ihrem Kind eine Krabbelgruppe oder andere Versammlungen, wo ihr Kind regelmäßig andere Kinder treffen kann.

Was ist eine gute Kinderkrippe?

Aus der Sicht von Wissenschaftlern und Erziehungsexperten ist es also stark abhängig von der Qualität der Kinderkrippe, ob ein Kind positiv oder negativ von seinem Aufenthalt dort beeinflusst wird.

Dabei hängen die Qualitätskriterien einer Kinderkrippe untrennbar mit der Größe der Gruppe zusammen. Laut Martin Dornes, einem Entwicklungspsychologen aus Frankfurt am Main, ist ein Betreuer-Kinder-Verhältnis von 1:3 bis 1:5 ideal. Außerdem ist Zuwendung, Aufmerksamkeit und Anregung bei Alltagsaktivitäten wie dem Windeln-Wechseln, dem Essen oder dem Spielen sehr wichtig, während spezielle Förder- oder Bildungsprogramme für Kleinkinder noch nicht notwendig sind.

Wie die zahlreichen Missstände in Kinderkrippen beweisen, sind Kinder in Kinderkrippen nicht gerade optimalen Bedingungen ausgesetzt. Zu oft sind die Gruppen zu groß und die Erzieherinnen entsprechend gestresst. Deswegen können sie den einzelnen Kindern nicht die Zuwendung entgegenbringen, die sie eigentlich brauchen würden.

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Fremdbetreuung von Kleinkindern: Die Sorgen und Ansichten der Eltern

Ob hochwertige oder fragwürdige Kinderkrippe: Die Meinungen vieler Eltern gehen schon beim Prinzip von Kinderkrippen generell weit auseinander: Sollte eine Mutter die ersten Jahre nicht möglichst viel Zeit mit ihrem Kind verbringen oder ist es nicht sogar gut für ein Kind, neue Erfahrungen zu sammeln und sollte eine Mutter ihr Kind deswegen ruhigen Gewissens in die Kinderkrippe schicken dürfen, wenn sie das Bedürfnis hat, arbeiten zu gehen?

In Communities und Foren wird dieses Thema immer wieder heiß diskutiert, und dabei geraten insbesondere Mütter und Väter mit extremen Ansichten häufig aneinander.

Meist befürworten Eltern Kinderkrippen und andere Formen der Kinderbetreuung ab einem bestimmten Alter für einige Stunden pro Woche, sei es, weil sie arbeiten gehen müssen oder möchten oder einfach deswegen, um ihrem Kind Abwechslung und Kontakt zu anderen Kindern zu ermöglichen. Das zeigen auch die Ergebnisse des Deutschen Jugendinstituts in München, das in seiner „Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten“-Studie herausgefunden hatte, dass Eltern fast ausschließlich Kinder betreut wissen wollen, die älter sind als ein Jahr und meist auch keine ganztägige Fremdbetreuung wünschen. Immer wieder klagen Mütter auch, dass ihnen aus finanziellen Gründen keine andere Möglichkeit bleibt, als ihre Kinder in einer Kinderkrippe betreuen zu lassen, und dass ihnen ihre Kinder fehlen und ihr schlechtes Gewissen sie plagt.

Doch gibt es auch die extremen Stimmen, die Kinderkrippen und Fremdbetreuung bis zum Kindergartenalter generell für schädlich halten und fordern, dass nur Paare Kinder bekommen sollten, für die es zeitlich und finanziell möglich ist, dass ein Elternteil mindestens drei Jahre lang mit dem Kind zuhause bleibt. Und auf der anderen Seite argumentieren Karrierefrauen damit, dass sie es nicht einsehen, wegen ihrem Kind auf ihre Arbeit zu verzichten und bestehen darauf, dass Kinder sich in wirklich guten Kinderkrippen auch über längere Zeitspannen hinweg wohl fühlen können. Häufig ist auch die Rede davon, dass Müttern die Decke auf den Kopf fällt, wenn sie rund um die Uhr mit ihrem Kind zuhause bleiben, weshalb sie wenigstens in Teilzeit arbeiten gehen möchten. Oft ist auch ein wichtiges Argument für Mütter, ihre Kinder in eine Kinderkrippe zu schicken und selbst arbeiten zu gehen, dass sie nicht abhängig von ihrem Mann sein möchten.

Sehr häufig erzählen Mütter auch von der Erfahrung, dass sie anfangs ängstlich und unsicher waren, im Nachhinein jedoch begriffen haben, dass es eine gute Entscheidung war, ihr Kind bei einer Kinderkrippe abzugeben, da sie dann gemerkt haben, dass es ihrem Kind großen Spaß gemacht hat, in der Kinderkrippe mit anderen Kindern und mit Spielgeräten zu spielen, die sie zuhause nicht haben. Generell ist das Argument der Abwechslung und der sozialen Kontakte ein sehr starkes unter Eltern: Viele Mütter und Väter haben die Erfahrung gemacht, dass ihre Kinder, nachdem sie sich erst einmal an die Kinderkrippe gewöhnt hatten, sich darauf gefreut haben und teilweise nicht mehr weg wollten.

Krippe ja oder nein: Diese Frage muss für jedes Kind aufs Neue beantwortet werden

Wichtig ist letztendlich bei diesem heiß diskutierten Thema, dass externe Kinderbetreuung weiterhin optional bleibt und Eltern ihre Wahlfreiheit nicht verlieren. Jede Mutter und jeder Vater sollte frei und ohne gesellschaftlichen Druck von einer der beiden Richtungen entscheiden dürfen, ob sie oder er ihr Kind in den ersten Jahren daheim erziehen oder es während ihrer Arbeitszeiten fremdbetreuen lassen möchte. Manche Frauen haben lange studiert und auf ihren Traumberuf hingearbeitet, was für sie nie bedeuten sollte, dass sie bereit sind, auf die Gründung einer Familie zu verzichten. Diesen Frauen sollte es möglich sein, dann wieder in ihren Beruf einzusteigen, wenn sie sich danach sehnen. Eine Frau, die sich tatsächlich ein Kind gewünscht hat, wird ohnehin nicht sofort wieder Vollzeit arbeiten wollen, sondern wird einen Ausgleich suchen, in dessen Rahmen sie für ihre Arbeit und für ihr Kind gleichermaßen viel Zeit hat.

Genauso gibt es jedoch auch Frauen, für die ihr Kind das Zentrum ihres Lebens ist und die sich zuhause wohl fühlen, wenn sie ihr Kind so oft wie möglich um sich haben. Durch das Kinderförderungsgesetz und Stimmen seitens Politkern, Bekannten und Arbeitgeber sollten diese Frauen sich nicht unter Druck setzen lassen, denn es sollte kein Muss sein, kurz nach der Geburt eines Kindes wieder zu arbeiten, sondern eine freie Entscheidung.

Und auch die Persönlichkeit des Kindes sollte bei der Entscheidung für oder gegen eine Kinderbetreuung eine Rolle spielen, denn manche Kinder sind so aktiv, dass sie zuhause auf Dauer nicht ausgelastet sind und beginnen sich zu langweilen, insbesondere dann, wenn es sich um Einzelkinder mit wenig Kontakt zu Gleichaltrigen handelt. Andere Kinder sind in sich gekehrt, hängen besonders stark an ihren Eltern und haben vor Fremden oft Angst. Wenn also Eltern merken, dass sich ihr Kleinkind nicht wohl fühlt, wenn Freunde oder Verwandte, die ihm nicht vertraut sind, zu Besuch sind, und auf Annäherungen seitens der Erwachsenen zurückhaltend und ängstlich reagieren, dann können sie annehmen, dass sich das Kind auch in der Kinderkrippe nicht wohlfühlen wird.

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