Manche Kinderkrippen nehmen bereits Kinder im Alter ab drei Monaten auf, die meisten Kinder sind im Vorkindergartenalter, also nicht älter als drei Jahr. Oft sind die Eltern die einzigen Vertrauten oder sogar die einzigen sozialen Kontakte generell, die ein Krippenkind je gehabt hat und es war noch nie von ihnen getrennt. Dass viele Kinder mit Unsicherheit, Angst oder gar Panikattacken auf die ersten Versuche, sie allein in der Kinderkrippe zu lassen, reagieren, ist also kaum verwunderlich.

Vertrauen aufbauen: Das Kind versteht nicht, dass die Trennung nur vorübergehend ist

Wenn seine Mutter geht und es allein in der Krippe zurücklässt, ist einem Kind nicht bewusst, dass diese Trennung nur vorübergehend ist und dass seine Mutter bald wiederkommen und es wieder mit nach Hause nehmen wird.

Deswegen ist es wichtig, dem Kind die Möglichkeit zu geben, nach und nach Vertrauen aufzubauen, was die Mutter leicht fördern kann, indem sie ihrem Kind Versprechen gibt und diese auch einhält. In der Kinderkrippe gibt es dafür die Eingewöhnungsphase, in der die Mutter dem Kind ankündigt, kurz wegzugehen und dann für einige Minuten den Raum verlässt. Wichtig ist, dass die Mutter tatsächlich nach wenigen Minuten wiederkommt. So lernt das Kind mit der Zeit, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn seine Mutter es für einige Zeit verlässt und dass sie gewiss wiederkommt.

Auf keinen Fall darf die Mutter in einer solchen Situation jedoch ihr Wort brechen. Wenn sie verspricht, in einigen Minuten wieder da zu sein, stattdessen jedoch mehrere Stunden wegbleibt, ist das Vertrauen des Kindes verletzt, es hat schlechte Erfahrungen gemacht und kann den Worten seiner Mutter nicht mehr vertrauen. Der Trennungsschmerz des Kindes wird größer, weil es Angst davor hat, dass die Mutter erneut ihr Wort bricht und gar nicht mehr wiederkommt.

Manchmal sind Kinder durch traumatische Erlebnisse schon vorgeschädigt, etwa dann, wenn sie mal in einem Kaufhaus verloren gegangen sind. Dann braucht es noch mehr Zeit, um Vertrauen aufbauen zu können.

Bald geht’s in die Kinderkrippe: Kinder in die Planungen mit einbeziehen

Sofern das Kind schon alt genug ist und sprechen kann, darf es ruhig in die Krippen-Pläne eingeweiht werden und aktiv an der Vorbereitung teilhaben, denn mit ein Grund für die Trennungsangst kann auch sein, dass Kinder nicht wissen, was mit ihnen geschieht.

Eltern sollten mit ihrem Kind über die Krippe reden, um seine Vorfreude zu schüren (ohne jedoch zu übertreiben – sonst könnte das Kind am Ende von der Realität enttäuscht sein) und versuchen ihm zu erklären, weshalb es ab und zu dorthin muss und wieso die Eltern dann nicht mit dort bleiben. Außerdem kann es helfen, das Kind mitzunehmen, wenn Dinge für die Krippe gekauft werden, beispielsweise Brotdosen, und das Kind schon mal so gut es geht mit der Krippe vertraut zu machen, etwa indem sie beim Spazierengehen daran vorbeigehen, den Tag der offenen Tür besuchen oder Schnupperangebote wahrnehmen.

Ängste ernst nehmen, aber nicht dramatisieren

Die Ängste der Kinder sind ehrlich und dürfen von ihren Eltern nicht vernachlässigt oder beschwichtigt werden. Insbesondere wenn die Kinder schon älter sind und das, was ihre Eltern sagen, verstehen, ist es falsch, ihnen ihre Angst vorzuwerfen und mit Aussagen wie etwa „Stell dich nicht so an!“ zu reagieren.

Kinder fühlen sich ein stückweit sicherer, wenn Eltern auf ihre Ängste und Bedürfnisse eingehen, die Eingewöhnungsphasen bei Bedarf weiter ausdehnen, noch eine Zeitlang zum Kuscheln dableiben und ihnen das Gefühl geben, sie lieb zu haben und bald wieder zurückkommen zu wollen.

Manche Mütter jedoch werden selber so sehr von Trennungsschmerz und schlechtem Gewissen überwältigt, dass ihnen selbst der Abschied von ihrem Kind sehr schwer fällt und sie dies auch nicht verbergen können. So weinen viele Mütter beim Abschied, zögern den Abschied hinaus und erschaffen eine dramatische Situation, womit sie jedoch alles nur schwieriger machen, denn das Kind spürt, dass seine Mutter leidet und hat das Gefühl, dass das, was geschieht, falsch und schlimm ist. Die Angst vor der Trennung wird noch intensiver.

Reagiert die Mutter verständnisvoll für die Ängste ihres Kindes, bleibt selbst jedoch stabil und fröhlich, so vermittelt sie dem Kind, dass alles in Ordnung ist. Wenn sie sich kurz und herzlich von ihrem Kind verabschiedet und ihm verspricht, bald wieder zu kommen, wirkt alles gar nicht mehr so schlimm und das Kind wird von der positiven Ausstrahlung seiner Mutter angesteckt.

Das Verhalten der Mutter kann sich auch dann negativ auf die Angst des Kindes auswirken, wenn es merkt, dass die Mutter der Erzieherin nicht vertraut, neidisch ist und eine zu starke Bindung zwischen Kind und Erzieherin verhindern möchte oder ihr eine solche zumindest zuwider ist. Dann wird auch das Kind Probleme damit haben, der Erzieherin zu vertrauen, und wird sich in der Krippe nicht wohl fühlen. Deswegen sollte die Mutter unbedingt ihren Ausschließlichkeitsanspruch aufgeben. Damit ihr Kind sich in der Kinderkrippe wohl fühlt, muss es eine enge Bindung zu seiner Erzieherin aufbauen dürfen und ihr vertrauen können. Auf seine Liebe zu seiner Mutter hat dies keine Auswirkungen.

Fremdeln: Misstrauen vor fremden Menschen

Im Alter zwischen acht und 18 Monaten durchleben die meisten Kinder eine Phase, in der sie lernen, bekannte von unbekannten Menschen zu unterscheiden. Diese Phase wird auch als Phase des Fremdelns bezeichnet und die Wahrnehmung von Menschen als Fremde im Gegensatz zu Vertrauten führt oft dazu, dass Kinder mit Misstrauen, Angst oder sogar Panik auf fremde Menschen reagieren. Die Intensität der Reaktionen ist bei allen Kindern unterschiedlich. Sie ist abhängig von der Persönlichkeit des Kindes, aber auch davon, ob es bereits mit Menschen abgesehen von seinen Eltern Kontakt gehabt hat und ob dieser positiv oder negativ war. Dennoch misstrauen Kinder Fremden erst einmal generell. Für Kinder gibt es in dieser Phase zunächst nur noch bekannt und unbekannt und sie wissen nicht, dass sie manchen fremden Menschen vertrauen können.

Gegen Trennungsschmerz: Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Kinderkrippe

Eine Trennung von ihren Eltern kann für Kleinkinder erträglicher sein, wenn sie nicht bei völlig fremden Menschen, sondern bei Vertrauten gelassen werden, beispielsweise bei ihrer Großmutter oder der besten Freundin der Mutter. Je enger ihre Bindung zu dieser Person ist, umso weniger Angst haben die Kinder. Gleichzeitig lernen sie, dass ihre Mutter immer wieder zurückkommt und sie sich deswegen keine Sorgen machen müssen. Natürlich ist so eine Trennungs-Übung mit vertrauten Personen keine Garantie dafür, dass ein Kind kein Problem mehr damit hat, alleine in der Kinderkrippe zu bleiben. Aber es kann bei der Vorbereitung auf jeden Fall helfen.

Hilfreich ist sicherlich auch, wenn der Besuch der Kinderkrippe nicht der erste Kontakt des Kindes mit fremden Kindern ist, sondern es etwa auf dem Spielplatz, in der Krabbelgruppe oder auf Familienfeiern bereits mit anderen Kindern in Berührung bekommen und mit ihnen gespielt hat. Dann ist das Kind zum einen nicht mit einer völlig neuen Situation konfrontiert, zum anderen weiß es, dass es Spaß macht und spannend ist, mit anderen Kindern zu spielen.

Ideal für eine leichtere Eingewöhnung wäre es natürlich, wenn Kinder von Bekannten oder Verwandten in die gleiche Krippe gehen, sodass vertraute Gesichter in der Gruppe sind.

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